Wie lesen wir im 21. Jahrhundert?

Was ist ein Buch überhaupt? Wer meint, ein Buch müsse aus bedruckten und gebundenen Papierseiten bestehen, liegt nur teilweise richtig. Die ersten Bücher waren Rollen aus Papyrus oder auch Pergament mit handschriftlichen Texten. Das lässt schon ahnen, dass sich das Medium Buch gar nicht so leicht definieren lässt.

Uns geht es auch überhaupt nicht um Vor- und Nachteile des Lesens gedruckter Bücher oder digitaler E-Books. Halten wir lieber fest: Allen Videos und Fotos zum Trotz kommt das Internet nicht ohne Schreiben und Lesen aus. Viele Websites und Blogs bieten eine Menge sehr lesenswerter Texte, die nicht als Bücher gelten. Anders gefragt: Brauchen wir überhaupt noch Bücher, wenn das Internet alles Wissen der Welt liefert?

Die Stärke des Internets liegt im Multimedia-Ansatz. In diesem Sinn kann eine Website zum multimedialen Buch werden, in das Audio- und Video-Elemente ebenso leicht einbezogen werden können wie Bilder, Grafiken und Verweise (aka Links). Natürlich gibt es solche Ansätze und entsprechende Apps. Aber das klassische Buchmodell aus Autor*in > Text > Lese*in hält sich sehr eindrücklich, egal ob als Print- oder Digitalprodukt. Nur der vorgeschaltete Verlag wird weniger wichtig, Selfpublishing ist nicht mehr wegzudenken aus dem Buchmarkt, das Internet macht's möglich. Das multimediale Lesen für Kinder und Jugendliche in Schule und Bildung bleibt, sagen wir es milde, noch sehr ausbaufähig. 

Im E-Book-Markt bleibt Luft nach oben

Aber bleiben wir bei der klassischen Buchform, die uns heute als Printbuch (Taschenbuch oder mit festem Einband) und als E-Book begegnet. Zu Beginn der Pandemie im August 2020 meldete das Börsenblatt euphorisch ein Wachstum des E-Book-Markts: Corona-Krise lässt den E-Book-Markt florieren. Aber die Zahlen hinter dieser euphemistischen Überschrift sind ziemlich ernüchternd. Ja, der Anteil der E-Books am Buchmarkt steigt – wird ja auch Zeit! Und doch machte der Anteil der E-Books am Publikumsbuchmarkt laut Börsenblatt im ersten Halbjahr 2020 gerade mal 7,5 Prozent aus, im Jahr davor waren es 6 Prozent. Bei den Absatzzahlen sind die Zahlen wenigstens schon im zweistelligen Bereich angekommen: 16,3 Millionen verkaufte E-Books 2019, 18,8 Millionen im Jahr 2020. Da gibt es noch viel Luft nach oben.

Interessant ist auch ein internationaler Vergleich. Dieser Übersicht bei statista zufolge (Stand 31.03.21) beträgt der Anteil der E-Book-Lesenden in Deutschland gerade mal 10 Prozent – und liegt damit unter dem internationalen Durchschnitt. In den USA liegt der Anteil bei über 20 Prozent, am eifrigsten sind die chinesischen E-Book-Leser*innen, ihr Anteil beträgt 24,5 Prozent. Fast ein Viertel der chinesischen Bevölkerung greift also zum E-Book.

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